Momentan befindet sich Chia mal wieder im "postfertilen Depri"
Man merkt das nicht immer, weil sie auch großen Stimmungsschwankungen unterworfen ist, aber sie kommt wirklich von "Himmelhochjauchzend" beis "zu Tode betrübt" in alle Phasen ihres sensiblen Wesens.
Ich hatte ihr zwar bie vor Kurzem noch Rosenwurzwurzelextrakt in Kapseln verabreicht, um ihre Stimmung nicht in den Keller sinken zu lassen, kaum dass sie mit der Läufigkeit durch ist. Aber mit dem postfertilen Depri ist ja auch selektive Futterauswahl verbunden und während sie bis zur Mitte der Woche noch reinschaufelte, was reinpasste und Nachschlag in den Napf verlangte, sind wir jetzt wieder an dem Punkt, an dem sie am Futter riecht und sich angeekelt abwendet.
Würde ich das nicht aus den letzten drei Läufigkeiten kennen, wäre ich jetzt sehr besorgt ... gut, natürlich messe ich trotzdem Fieber, verabreiche Gastrosel und Ulmenrindenbreichen, damit die Magensäure meiner Chaosfürstin nicht den Appetit verdirbt, aber der Tierarzt würde meinen Hund als kerngesund bewerten.
Ich bin davon ja eigentlich auch überzeugt, denn der Output ist vorbildlich und sie ist beim Laufen auch munter und agil, spielt mit Bene Fangen auf dem Feld, ist sehr interessiert an Geräuschen aus dem Dickicht, verlangt ihren Ball und freut sich auch, wenn ich ich ihr den werfe und nach wie vor findet sie auch Spaziergänger, Nachbarn und Baustellenlichter in der Ferne unfassbar spannend.
Auch zuhause ist sie munter, spielt mit den Katzen, mit Bene, ist sehr motiviert beim Balancieren und zeigt keinerlei Anzeichen von Mattigkeit oder eingeschränkter Gesundheit.
Aber im Haus ist sie extrem änhänglich und beachtet man sie nicht sofort, versinkt siein Traurigkeit. Jede Rüge, jedes lautere Wort lässt sie aussehen, als säße sie seit Jahren in einem Tierheim und würde von niemandem geliebt.
Sie ist ja immer sensibel, aber momentan ist sie empfindlich wie eine Mimose. Darum gebe ich ihr momentanauch keine Kapseln mehr, denn hole ich die Leberwurst aus dem Kühlschrank, flüchtet sie schon unter den Schreibtisch (und reißt dabei dann gerne auch mal ein paar Kabel aus der Steckdose) oder verkriecht sich unter der Eckbank in der Küche.
Sie schläft nun auch wieder bei mir im Bett - am Fußende und bitte mit Körperkontakt und ist insgesamt sehr kuschelig drauf.
Damit kann ich auch gut leben. Auch damit, dass sie von sensibel auf hypersensibel umstellte, denn der Vorteil an dieser Phase nach der Läufigkeit ist, dass sie meistens auch meine Nähe sucht und dann auch ganz besonders gehorsam ist. Der Nachteil dabei ist aber, dass sie sich dauernd an mich quetscht und ich mich schon nicht mehr traue, sie zur Seite zu schieben, weil mich dann der "geprügelte Hund"-Blick trifft, der sagt: "Ich habs gewusst ... Du liebst mich nicht mehr".
Sie wird aktuell auch jengelig und wüsste ich nicht, dass das immer so ist, nachdem sie läufig war, würde ich behaupten, mein Hund hat Schmerzen und winselt darum ab und zu vor sich hin. Aber ich bin sicher, der Grund liegt darin, dasssie hormonell aus der Bahn gerutscht ist.
Sie zeigt kein klassisches Scheinträchtigkeitsverhalten (dafür wäre es auch zu früh), aber sie klaut hin und wieder Stofftiere vom Sofa unserer Tochter ... und man traut sich dann kaum, sie dafür zu rügen, weil sie dann mit eingeklemmter Rute und komplett an den Kopf geknuckelten Ohren davonschleicht und in einem das Gefühl weckt, dass man sie ganz zu Unrecht anmeckerte.
Bei der Fütterung leide ich am meisten ... ja, sie sicher auch, aber ich weiß schon nicht mehr, was ich für sie auftauen soll, weil das was gestern noch wenigstens zur Hälfte aufgefuttert wurde, heute garantiert nur mit einem vernichtenden Blick bedacht wird.
Sonst liebt sie Schaffett, Rinderblut oder Dorschlebertran ... jetzt ist alles ekelig. Gestern ließ sie sogar ein Drittel vom Hasenbein liegen und vorgestern war ihr der halbe Rinderkehlkopf schon zuviel.
Trockenbarf nimmt sie mit langen Zähnen - mal ein Stückchen, mal ein Händchen voll (was bei meinen Händen ca. 20 g sind). Von der letzten postfertilen Depriphase hatte ich noch das kaltgepresste True Nature mit Huhn von Markus Mühle und eine 5-kg-Tüte Black Angus. Davon nimmt sie morgens wenigstens drei Händchen voll, aber nachdem jetzt das Huhn leer geworden ist, befand sie die Alternative Black Angus nun nicht so toll ... ich habe also wieder ein 5-kg Tütchen True Nature Huhn bestellt, denn zwischen die Markus-Mühle-Bröckchen darf ich auch immer mal ein bisschen Trockenbarf schummeln und das frisst sie dann auch mit. Aber eben in sehr geringen Mengen, sodass ich morgens und abends wieder mit der Nutriplusgel-Paste ausgleiche - die liebt sie wenigstens noch.
Bei den keksen wird sie auch wieder sehr wählerisch ... manchmal schnuppert sie nur kurz an den getrockneten Hühnerbrustfilets und wendet sich dann ab ... undBene bekommt ganz leuchtende Augen, weil sie hofft, dass sie das zusätzuliche Leckerchen abgreifen kann (nein, kann sie nicht). Dibo Barf Leckerchen sind für Chia noch attraktiv unddie bekommt sie jetzt auch nicht mehr einzeln gereicht, sondern wirklich als Händchenvoll, weil ich froh bin, wenn sie was in den Bauch bekommt.
Letzte Woche wurde mir noch gesagt, dassich bei Chia aber vielleicht doch mal das Futter reduzieren sollte, weil sie zugenommen hat ... darüber kann ich nur müde lächeln, denn ich weiß ja, dass sie sich ein Polster anfuttert, um dann ihre Postfertile Depriphase durchhalten zu können, in der sie kaum noch was frisst.
Chia ist ja nun nicht meine erste Hündin. Mit dem Lieschen, Anka und der Bommeline hatte ich zuvor ja drei intakte Hündinnen, die auch regelmäßig läufig wurden, aber solche Depriphasen hatten die wirklich nie.
Mein Tierarzt ist in der Beziehung leider auch nicht besonders hilfreich. Er rät mir, Chia einmal decken zu lassen, um ihre Hormone ins Gleichgewicht zu bringen. Ich denke, ich werde lieber Mönchspfeffer testen. Ich muss nur noch schauen, wie ich den in den Hund rein bekomme
Heute Früh musste ich dann aber trotzdem lachen - über meine Bene, die ihrem Altersstarrsinn wieder alle Ehre machte.
Wenn ich mit Chia unterwegs beim Gassi ein bisschen UO übe, lasse ich Bene ja auch kleine Gehorsamsübungen machen, damit dann beide Hunde auch belohnt werden können. Bene bekommt aber nur einen halben Keks und der ist schnell verschlungen. Chia kaut ihren Keks abermomentan sehr umständlich, verliert auch mal ein Stück und sammelt es dann wieder auf. Bene weiß, dasssie sich nichts von Chia klauen darf und versucht darum auch nicht, etwas von Chias Keks abzugreifen.
Aber heute Früh wurde ihr das Gekaue der Chaosfürstin dann zu doof - wem würde das nicht auch so ergehen, wenn einem etwas vorgemampft wird, während man selber Hunger hat und nichts bekommt?
Jedenfalls marschierte Bene dann los und als sie sich dann noch mal umdrehte, konnteich ihre Gedanken förmlich lesen, denn sie sagten: "Ich geh schon mal vor - mir dauert das hier zu lange!"
Und nein, bei Bene zählt das nicht als Ungehorsam, sondern als Eigenständigkeit, für die ich sie auch liebe