Und ich bringe jetzt noch den Aspekt "Epigenetik" mit ins Spiel... Es gibt Würfe in denen alle Hunde ähnliche gute Wesenszüge und Triebveranlagungen hatten. Und dann verkauft der Züchter die Hündin (oder gibt sie in Zuchtmiete) und ein oder zwei Jahre später lässt der andere Züchter die selbe Hündin vom selben Rüden noch einmal decken. Und die Hunde aus diesem Wurf unterscheiden sich dann im Wesen (z.B. ihrer Nerventätigkeit und nervlichen Belastbarkeit) deutlich von den Hunden des ersten Wurfes... Hat es so gegeben...
"Nervliche Belastbarkeit" und Aktion/Reaktion in Bezug auf Umweltreize und soziale Interaktionen ist immer auch abhängig davon ob ein Individuum viel oder wenig Stress oder gar Angst empfindet und ob und wie schnell sein Organismus hormonell dagegen ansteuern kann. Inzwischen weiß man dass diesbezügliche Lebenserfahrungen weiter "vererbt" werden können.
Von daher sollte man es sich, basierend auf dem diesbezüglichen heutigen Wissen, gut überlegen ob man einen Welpen wählt oder einen Deckrüden, bei dem man weiß dass ein Eltern- oder Großelterntier mit Hilfe von extremen Starkzwang ausgebildet wurde und/oder unter Bedingungen leben musste die starken Stress bei den Hunden ausgelöst haben (z.B. große Zwingeranlagen mit entsprechend permanenter Unruhe für die Hunde).
Und auch der Diskussion über die durch die sog. "Hunde-Mafia" in ausländischen Drecksställen unter unsäglichen Lebensbedingungen produzierten und ins Land geschmuggelten Welpen würde es gut tun wenn der Aspekt Epigenetik mit in den Fokus der Öffentlichkeit rücken würde. Otto Normalverbraucher muss klar werden dass ein Welpe nur dann zu einem nervenstarken und sozialverträglichen Hund heran wachsen kann wenn nicht nur seine Mutter, sondern auch seine anderweitigen Vorfahren ihr Leben nicht in Angst und Schrecken und unter Entbehrungen und großem Stress verbringen mussten.
Von daher muss es nicht unbedingt eine andere Genetik sein (in Bezug auf die wesensmäßigen Veranlagungen) die aus einem Hund einen dominant agierenden Hund macht, der im Schutzdienst konsequent, aber nicht "spektakulär" arbeitet. Oder einen Hund der aufgrund einer höheren Nerventätigkeit blitzschnell reagiert und dadurch spektakulär "sticht" (also mit blitzschnellen Anbissen) und der bei der "langen Flucht" sein Tempo vor dem Helfer noch einmal deutlich erhöht, was dann einen spektakulären Anbiss ergibt (frei nach dem Motto "Rette sich in den Ärmel wer kann, bevor es irgendwie gefährlich wird."). Da können, neben der Genetik, tatsächlich auch die Lebenserfahrungen der Eltern, Großeltern, Urgroßeltern mit rein spielen.
https://www.kinderhilfswerk.at…rungen-vererbt-werden.pdf